Glossar

[Syndikat]

72 Hausprojekte und 23 Projektinitiativen (Vorstufte der Hausprojekte, die sich ihr Haus erst noch aneignen wollen) bilden einen festen Verbund. Das Bindeglied, das diesen Verbund herstellt ist das Mietshäuser Syndikat. Allen Projekten (Hausvereinen) gemeinsam ist der kollektive Wunsch nach einem Haus, in dem es sich selbstbestimmt leben lässt, dem nicht irgendwann die Zwangsräumung oder Abrissbirne winkt; mit bezahlbaren Räumen, die nicht durch Hausverkauf oder Umnutzung latent bedroht sind.

Eigentlich immer fehlen dem Hausverein zum Kauf die nötigen Gelder. Er muss mit Krediten von der Bank und/oder Direktkrediten von Unterstützern und Familie die Gelder auftreiben. Diese Anfangsphase, in der die Zinskosten am höchsten sind, gleicht bei jedem Hausprojekt einem ökonomischen Drahtseilakt. Aber Jahre später sieht die Lage in der Regel entspannter aus.

Da bei einer größeren Anzahl von Projekten nicht alle gleichzeitig in der schwierigen Anfangsphase sind, ist die Überlegung, einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Situationen verschiedener Hausprojekte zu schaffen. Etablierte Altprojekte sollen neue Projektinitiativen beraten und ihr Know-how zur Verfügung stellen. Außerdem sollen die Altprojekte Überschüsse zu Gunsten neuer Projektinitiativen transferieren. Ein solcher Ausgleich zwischen autonomen Hausprojekten geht aber nicht von selbst über die Bühne, sondern will organisiert sein: Es muss vor allem eine dauerhafte Verknüpfung zwischen den Projekten hergestellt werden, die den Transfer der Ressourcen und die dafür erforderliche Kommunikation möglich macht. Die Organisation eines solchen Solidarzusammenhangs ist die Idee des Mietshäuser Syndikats. Sie wurde erstmalig 1989 beim Freiburger Grether Projekt formuliert.

Zur Finanzierung konkret:

Der Anteil des Mietshäuser Syndikats am Kapital jeder Hausbesitz-GmbH beträgt in der Regel 12.400 €. Der Anteil des Hausvereins ist 12.600 €. Das ergibt zusammen das so genannte Stammkapital der GmbH von 25.000 €, das zum Hauskauf verwendet wird. Der Fehlbetrag wird dann über Direktkredite und/oder Bankkredite finanziert.

Die in Frage stehenden Häuser, werden nicht Eigentum des Syndikats, sondern der GmbH, in der der jeweilige Hausverein und das Mietshäuser Syndikat vertreten sind. Hausverein und Mietshäuser Syndikat haben in der GmbH Stimmenparität, so dass Verkauf oder Umwandlung nur einvernehmlich möglich. Über den Verein verwalten die Nutzer ihr Objekt eigenverantwortlich. Fragen wie Wer zieht ein? Wie werden Kredite besorgt? Wie wird umgebaut? Wie hoch ist die Miete? beantwortet der Verein alleine.

Quelle: https://www.syndikat.org