Raum_Wagen, Margit Greinöcker, Michael Wlaschitz, Petra Moser, Sandro E.E. Zanzinger, Tobias Hagleiter

Raum_Wagen, Linz

„Einfach Mal anfangen!“ Diese drei Worte beschreiben gut, wie der „Raum_Wagen“ im österreichischen Linz entstanden ist. Als originelle „Notlösung“ nämlich; eine mobile Immovielie, die sich gemausert hat und inzwischen sogar flügge geworden ist. Der Wagen, der Raum für alle bietet, ist ein hübscher, knallroter, ehemaliger Feuerwehrwagen mit großen Leuchtbuchstaben. Liebevoll ausgebaut und ausgestattet mit Küche, Dielenboden, großen Fenstern, Tisch und Stühlen. Mit ihm und seinen fahrbaren 14 Quadratmetern machen die deutsch-österreichischen Projektmacher engagiert auf Leerstand und Ressourcen für das Gemeinwohl aufmerksam. Und das längst nicht mehr nur in Linz. Aber der Reihe nach:

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Projekt

Raum_Wagen, Ein ehemaliger Feuerwehrwagen als Projekt, um auf räumliche Ressourcen und Leerstand aufmerksam zu machen und das Vorhandene gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu aktivieren.

Ziele

  • Begegnung und Austausch fördern
  • zum Mitmachen einladen
  • ungenutzte Orte (temporär) aktivieren
  • Möglichkeiten des Ortes erforschen

Nutzungsszenarien

  • als mobiles Planungsbüro
  • als mobiler Raum mit Küche und Werkstatt, privater Rahmen z.B. Seminare bis 10 Personen
  • mobiler Raum mit Küche und Werkstatt für öffentliche Nutzung
  • als Verkaufs- und Messestand
  • als temporäre Unterkunft

Gebäudetyp

Ehemaliger Versorgungsanhänger der Feuerwehr mit klappbaren Leuchtbuchstaben auf dem Dach, Kioskluke und Gittern an der Seitenwand, von denen verschiedene Kräutertöpfe und eine Kreidetafel hängen. Im hellen, mit Dielenboden ausgelegten Innenraum lässt sich alles ein oder ausklappen, hängen oder stellen: so wird die Sitzbank zum Sideboard oder auch Tresen für den Barverkauf bei geöffnetem Fenster, die Spüle ist auch Schneideunterlage und die Holzregale sind die Böcke für die Tischplatte.
Wie die Möblierung im Innenraum ist auch der Wagen selbst multifunktional: Eine fahrende Toolbox, die je nach Ort und Bedürfnis zu Küche, Werkstatt, Bar, Sitzungszimmer, Ausstellungsraum oder mobiles Planungsbüro umfunktioniert werden kann und so dazu beiträgt, Orte zu beleben.
Im vorderen Bereich macht eine liebevoll gestaltete Küche Lust zum Kochen und im hinteren Bereich lassen sich Schreibtisch und Werkzeugregal mit einem Vorhang vom “Hauptraum” abgrenzen. Obwohl der Wagen schon von Haus aus mit vielen Fenstern ausgestattet war, wurden noch Oberlichter hinzugefügt, die einen freien Blick in den Himmel ermöglichen. Neben der voll ausgestatteten Küche beherbergt das Gefährt heute auch eine Werkstatt mit Tischkreissäge oder Schlagbohrer. Auf dem Dach gibt es eine Solarstromanlage. Bei schönem Wetter speist sie eine Batterie, die mit ihrer Leistung von 200 Ampere Stunden Strom für Aktionen abseits vom Stromnetz liefert.

Gesamtfläche oder Nutzflächen nach Nutzung

  1. Mobiler Anhänger, 14 qm
  2. 7,2m lang, 2,3m breit und 3 m hoch
  3. ca. 3t Gewicht, fährt mit 10km/h, straßentauglich.

Projektstatus

Verstetigungsphase

Das Besondere – Erfolgsbausteine

  • Ursprüngliche Bestimmung des Raum_Wagens war Mittel zur Aktivierung des Leisenhofareals mit seinen zwei Höfen und Grünflächen in Linzer Stadtnähe. Er hat so großen Zuspruch und Erfolg erfahren, dass er sich verselbständigt, sich von Linz und zukünftig anderswo unterwegs sein wird.
  • Durch seine Mobilität ist der Wagen sehr flexibel einsetzbar, unabhängig und geeignet, Energien an den jeweiligen Einsatzorten freizusetzen.
  • Durch wechselnde Einsatzorte werden immer neue Leute angesprochen, mit ihnen kooperiert und begeistert.
  • Der Wagen ist durch seine visuelle Erscheinung und einfach nur durch seine Anwesenheit an einer vorher leeren Stelle so auffällig, dass man neugierig wird. Wofür bei anderen Projekten viel Öffentlichkeitsarbeit notwendig ist, wird beim Raum_Wagen allein durch seine Anwesenheit erreicht.

Chronologie

Am Anfang


2013
Ursprünglicher Plan war die Aktivierung des größtenteils leerstehenden Areals in Linz, zu einem landwirtschaftlich-stadtnahem Lern- und Begegnungsort z.B durch die Erlebbarmachung von Lebensmittelproduktion, offener Werkstatt mit handwerklichen Workshops etc.

September 2015
Da eine langfristige Nutzung des Areals als eher unwahrscheinlich erschien, entstand der Wunsch von Hannah Kordes, die Ideen vor Ort in ein Mobil zu integrieren, um die bestehenden Konzepte an einem anderen Ort zu initiieren.

Aufbau


Ende 2015
Ein alter, roter Feuerwehranhänger wird zum Raum_Wagen umgebaut. Ein unabhängiger Raum, der als Experimentierfeld dient. Transportabel, wandelbar. Er kann Menschen auf verschiedenste Arten zusammenbringen– eine mobile Planungswerkstatt mit Küche und flexiblem Raum. Er schafft eine Alternative zu konsumorientierten Begegnungsräumen.

Sylvester 2015/2016
Einweihung des Wagens, Suche nach vielen Unterstützern. Bereits die Konzeptionsphase soll Menschen und Ressourcen verbinden.

ca. 5 monatiger Bauprozess

Mai 2016
Erster Einsatz am Leisenhofareal: Offene Werkstatt für Nachbarn und Interessierte zur Ideenentwicklung Leisenhof.

Juni 2016
Zweiter Einsatz: Infopoint, Anlaufstelle und soziale Küche mit Werkstatt in Linz während der Architekturtage 2016.

Juli 2016
Dritter Einsatz: Stadtwerkstatt direkt an der Donau, Brache wurde aktiviert und erhielt Aufmerksamkeit.

Verschiedene Nutzungsmöglichkeiten wurden auf ihre Umsetzbarkeit im und um den mobilen Raum ausprobiert. Rahmenbedingungen und Strategien wurden zu einer ersten Anleitung verfasst. Der mobile Aktionsraum wurde angepasst und weiterentwickelt.

Verstetigung


Oktober 2016
Präsentation vom Projekt Status Quo des mobilen Aktionsraumes Raum_Wagen.

8. Juni – 2. Juli 2017 Linz: Nordico: Vorstellung von NeudenkerInnen und SelbermacherInnen von Nachbarschaft, Gemeinschaft, nachhaltiger Ernährung, interdisziplinärer Nutzung des urbanen Raums, Innovation und Selbstermächtigung. Die Stadt wird zum Experimentierfeld.

10. – 17. Juli 2017 Linz: Kinderuniversität Linz, Raumentdeckung, kleine Selbstbauworkshops.

17. – 31. Juli 2017: Linz: Sommerkino, Open Space, Workshops, Urban Laboratory.

11. August. – 2. September 2017 Neulengbach: Planungsbüro, Entwicklung von Ideen zur Marktgestaltung.

3.-12.September 2017 Zwentendorf: Platz für die Bürger zur Diskussion und für die Entwicklung von Gemeinsamkeiten.

14. -17.September 2017 Groß-Enzersdorf: Standort Stadtrandfestival SUBURBINALE INTERNATIONAL FILMFESTIVAL.

05. – 20.Oktober 2017 Wien: URBANIZE FESTIVAL von Derive.

Auf lange Sicht


2018: Wagen bleibt in Niederösterreich für Reparatur und Wartung, um dann in der nächsten Saison von dort aus weiterzutouren.

Finanzierung

Sachspenden, Eigenfinanzierung. Finanziell ist der Wagen eine „lowest budget produktion“. Gekauft zum Schnäppchenpreis von 1.250 Euro, in den Kleinanzeigen entdeckt. Der Großteil der verbauten Materialien kommt aus einem nahe gelegenen Abbruchhaus und viele örtliche Initiativen (z.B. dem Tauschkreis in Linz) haben das Projekt mit Sachspenden unterstützt. Insgesamt sind 90% der verbauten Materialien recycelt. Mit Ausbau und allem drum und dran hat das Projekt 3.000 Euro gekostet.

  • Die „Arge für Obdachlose“ sponserte Material für den Umbau und die Ausstattung des Wagens
  • Die Altstoffsammelzentren der Stadt Linz unterstützten mit kostenloser Abgabe von Material.
  • Das Logistikunternehmen „Schachinger Logistik“ transportierte den Wagen kostenlos
  • Biohof Archleitner, PONA und die Leisenhofgärtnerei unterstützten das Projekt mit Lebensmittelspenden für die Kochaktionen
  • Nachbarn spendeten Geld und ihre Zeit
  • Die Kunstuniversität beteiligte sich im Rahmen eines Leistungsstipendiums
  • Die Hochschülerschaft der Kunstuniversität Linz förderte im Rahmen einer Projektförderung
  • Das junge Unternehmen „Wohnwagon“ aus Wien unterstütze mit Netzwerkkontakten und mit Ratschlägen zum Aus- und Umbau.
  • Der benachbarte Reitgutbesitzer „Pösmayr“ unterstütze maßgeblich im Transport vor Ort und bot dem Wagen über die Reparaturmonate in seiner Halle Unterstand
  • Solaranlagen.de förderte die Photovoltaikanlage und gibt regelmäßig Sponsoring

Buchungskonditionen:
Die interessierten Nutzer melden sich entweder vor Ort beim Raum_Wagen oder online für eine Nutzung an. Dieser Zeitraum wird, nach Festlegung der genauen Konditionen im online zugänglichen Terminkalender vermerkt. Es bedarf einer Übereinkunft der Nutzungsgebühr, der Organisation des Transportes und ob spezielles Inventar und eventuelle Zusatzleistungen benötigt werden. Je nach der Höhe des Aufwandes staffelt sich die monetäre Vergütung. Können die Nutzer Eigenleistungen erbringen im Bereich der Organisation von Transport und Aufbau, entfallen Kosten. Hat das Projekt einen sozialen Mehrwert, so ist ebenso eine Anpassung der Kosten möglich, um das Projekt zu ermöglichen. Benötigen sie Teammitglieder, werden faire Personalkosten verrechnet. Eventuelle Haftungen für die Events muss der Veranstalter übernehmen. Der Wagen ist grundsätzlich haftpflichtversichert. Das Nutzungsentgelt wird vom Kunden vorgeschlagen und dann verhandelt. Bei der Übergabe wird der Zustand kontrolliert und von beiden Parteien wahrgenommen und im Übergabeprotokoll festgehalten. Der Nutzungsvertrag wird unterschrieben, um die Haftung, den Zeitraum, die Kosten etc. zu fixieren. Bei erfolgreicher Einigung wird einSchlüssel/ bzw. Codeübergabe gemacht.

Crowdfunding
Für einen reibungslosen Einsatz, individuelle Nutzung und vor allem zum Zurücklegen von größeren Strecken müssen 2017 einige Dinge repariert und Geld investiert werden. Dafür haben die Verantwortlichen zu einem Crowdfunding von 15.000 Euro aufgerufen. Die Summe wurde im Juli 2017 erreicht. Damit wird finanziert:

  • Für die Typisierung: zwei neuen Achsen, neue Bremsen und Reifen,
  • 2 neue Batterien,
  • einen voll heizbaren Spiritus-Kocher,
  • eine Musikanlage,
  • Beamer und Leinwand,
  • einen Outdoor-Holzvergaserofen,
  • 2 Kräutertürme,
  • Profi-Werkzeug,
  • Spezialkleber zum Dach abdichten!

Organisationsform

Inzwischen konnte der „Fruchtgenuss – Verein für Leerstandsangelegenheiten e.V.“ als Dachverein gewonnen, unter dem die Veranstaltungen mit dem Raum_Wagen organisiert werden. Das hat den Vorteil, dass eine juristische Person gefunden ist, mit der alle vertraglichen Aushandlungen abgeschlossen werden können. Der Verein bezweckt die Recherche, Analyse und Belebung leerstehender Immobilien, die Diskussion und Information zur Leerstandsthematik, die Ausarbeitung von Informationsmaterial, die Beratung und Vermittlung von Raum-Suchenden, die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Ausstellungen und die Produktion von Kunst im öffentlichen und privaten Raum.
An jedem Ort/bei jedem Einsatz sind wieder neue Mitstreiter involviert: Die Besitzer der Flächen, auf denen der Wagen steht, die Veranstalter, die Teilnehmer etc. Um hier haftungstechnisch abgesichert zu sein, muss jeweils ein extra erstellter Nutzungsvertrag geschlossen werden.

Kommunikation

Mit verschiedenen Firmen und Menschen zu kooperieren lag nicht nur anhand des engen Budgetplanes auf der Agenda. Die Kooperation mit lokalen Firmen und Partnern wurde wegen des Netzwerks der Menschen zueinander angestrebt. Hannah Kordes sprach oder schrieb Menschen an und gab ihnen Informationsmaterial. In Sachen Projektmarketing wird auf den Wagen als Marke/Icon und einen ansprechenden, informativen Webauftritt gesetzt. Das Projekt bekam ein Logo, einen eigenen Blog, der schnell editierbar war und eine eigene Facebook-Seite, die zusätzliche Verlinkungen herstellen sollte. Es entstanden Flyer, Aufkleber, Bierdeckel, Bastelbögen und Postkarten, die bei Veranstaltungen mit Ankündigungen für die nächsten Events oder mit spezifischen Fragen oder Informationen zum Ort verteilt wurden. Gezeichnete Erklärfilme beschreiben das Projekt für jedermann verständlich. Aushänge in Wagen selbst und eine Tafel vor dem Wagen fordert die Passanten auf, stehen zu bleiben und machen neugierig auf das, was im Wagen passiert. Auch der Wagen selbst ist als visueller Anker nicht zu unterschätzen. Er sticht ins Auge, macht neugierig und animiert zum Stehenbleiben, Schauen und im besten Fall zum Mitmachen. Weiteres siehe unter: links und downloads

Teamentwicklung

Initiatorin und Ideengeberin ist Hannah Kordes. Der Raum_Wagen ist das Abschlussprojekt ihres Architekturstudiums. Von Beginn an war es jedoch ihre Motivation viele Mitstreiter zu finden. Nach einem Aufruf zum Mitmachen via Aushängen und offenen Bautagen, hatte sie auch schnell ein Aktionsteam zusammen. Was der Wagen werden sollte, die Gestaltung des Innenlebens, dafür wurden gemeinsam mit vielen Ideen gesammelt. Die Ideen, die am häufigsten genannt wurden, wurden dann gemeinsam umgesetzt. (Küche und Werkstatt).
Neben einem großen Netzwerk ist vor allem Michaela Schmitz begeistert von der Idee und dem Raum_Wagen. Sie steigt ganz aktiv ein und übernimmt mit Hannah gemeinsam einen großen Teil der Organisation. Sie wird die Organisation des Raumwagens in Niederösterreich hauptverantwortlich übernehmen.

Immobilien/Planen/Bauen

  • Baujahr 1975
  • Ab 2002 Veranstaltungswagen der Feuerwehr Schönau, bis Dezember 2015.
  • 7,20 m lang, 2,30 m breit, 2,90 m hoch
  • ca. 3 t schwer
  • 4 Reifen, Auflaufgebremst, 2Achser (>95cm Achsabstand)
  • Alublech auf Stahlkonstruktion
  • Polyester- leichtgeneigtes Flachdach
  • Feuerrot (RAL 3000)
  • 6 ÖBB- Alufenster
  • 6 Dachöffnungen
  • 2 Ein-/ Ausgänge
  • Ofenschluss
  • Lkw-/ Treckerkupplung
  • Siehe auch „Gebäudetyp

Nachbarschaft und Stadtteil:

Nachdem der Wagen immer wieder an unterschiedlichen Orten durch unterschiedliche Initiatoren, mit verschiedenen Zielsetzungen zum Einsatz kommt, lädt er jedes Mal neue Nachbarn zum Austausch, Treffen, miteinander arbeiten, miteinander Spaß haben ein. Der Wagen ist möglichst offen gestaltet, so dass er für die unterschiedlichen Bedürfnisse einsetzbar ist.

Das Team des mobilen Planungsbüros um Hannah Kordes wird immer mit den jeweiligen lokalen Akteuren ergänzt. Gemeinsam entdeckt man die Qualitäten und Möglichkeiten des Ortes.

Wen oder welche Unterstützung brauchen wir noch?

Gebraucht werden mutige Nutzer, die auch ein bisschen Pionierarbeit leisten wollen und können. Wichtig sind Nutzungen, die man gut dokumentieren kann um damit potentiellen Interessierten gut zu vermitteln, was durch den Raum_Wagen erreicht werden kann.

Stolpersteine

  • die technischen Herausforderungen (Typisierung etc.) und die finanzielle Knappheit beim Umbau
  • Die juristischen und haftungsrechtlichen Regelungen und jeweiligen Genehmigungen mit den Flächeneigentümern, Nutzern etc.

Sonstiges

https://raumwagen.info/
https://www.facebook.com/raumwagen/
https://wemakeit.com/projects/der-raumwagen-geht-auf-tour
https://www.facebook.com/Verein-Fruchtgenuss-417028438630302/
https://fruchtgenuss.wordpress.com/

Film: https://www.facebook.com/raumwagen/videos/1488937451180941/

Kontakt

Kreuzweg 6, 4040 Linz

Hannah Kordes
+43 660 125 81 20
email@raumwagen.info
https://raumwagen.info




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